Legionellen im Trinkwasser? Ursachen, Risiken und wirksame Schutzmaßnahmen

Legionellen gehören zu den häufigsten hygienischen Problemen in Trinkwasserinstallationen. Sie sind gefährliche Bakterien, die sich in warmem, stehendem Wasser stark vermehren und bei der Aufnahme über feinste Wassertröpfchen schwere Erkrankungen auslösen können. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Legionellen entstehen, welche Risiken sie bergen und wie Sie Ihr Trinkwasser zu Hause wirksam schützen.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die im Wasser leben und zur Familie der Legionellaceae gehören. Sie sind gramnegativ, nicht sporenbildend und bewegen sich mit Hilfe kleiner Geißeln fort. In geringer Konzentration sind sie in natürlichem Wasser ungefährlich – gefährlich werden sie erst, wenn sie sich in einer Trinkwasserinstallation stark vermehren.

Die optimale Umgebung für diese Erreger liegt bei Temperaturen zwischen 35 °C und 45 °C. Unter 25 °C findet kaum Wachstum statt, ab etwa 55 °C beginnen die Bakterien abzusterben. Deshalb spielt die Temperaturregelung im Warmwassersystem eine entscheidende Rolle für die Einhaltung der Trinkwasserverordnung.

Wie werden Legionellen übertragen?

Die bekannteste durch Legionellen verursachte Erkrankung ist die Legionärskrankheit (Legionellose) – eine schwere Form der Lungenentzündung. Sie wird durch den Erreger Legionella pneumophila verursacht und kann unbehandelt lebensbedrohlich sein. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Wichtige Fakten:

  • Etwa 30.000 Infektionen pro Jahr in Deutschland
  • 571 Todesfälle weltweit im Jahr 2007
  • Legionellen zählen zu den zehn gefährlichsten Erregern Deutschlands
  • In rund 30 % der Trinkwasseruntersuchungen in Baden-Württemberg wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt

Legionellenuntersuchung nach Trinkwasserverordnung

Gemäß Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sind Betreiber von Mehrfamilienhäusern, öffentlichen Gebäuden und gewerblichen Anlagen verpflichtet, ihr Trinkwasser regelmäßig auf Legionellen zu untersuchen. Der sogenannte technische Maßnahmenwert liegt bei 100 KBE pro 100 ml Wasser.

Wird dieser Wert überschritten, muss eine Gefährdungsanalyse der Trinkwasserinstallation durch ein zertifiziertes Fachunternehmen erfolgen. Bei sehr hohen Konzentrationen (> 1000 KBE/100 ml) ist zusätzlich eine Trinkwasserdesinfektion erforderlich, um die Bakterien sicher zu beseitigen.

Wie kann man Legionellen im Haus verhindern?

Legionellen vermehren sich besonders in stehenden Wassersystemen mit Temperaturen zwischen 30 °C und 50 °C. Durch richtige Planung, Wartung und Nutzung der Trinkwasserinstallation lässt sich das Risiko einer Kontamination deutlich verringern.

Die wichtigsten Schutzmaßnahmen:

  • Warmwasser auf mindestens 60 °C einstellen
  • Kaltwasserleitungen isolieren, um Erwärmung zu vermeiden
  • Zirkulation sicherstellen – kein stehendes Wasser in Leitungen
  • Stagnation verhindern: spätestens nach 72 Stunden den Leitungsinhalt austauschen

Ergänzend sorgen Trinkwasserfilter (z. B. Rückspülfilter, Feinfilterkombinationen oder Aktivkohlefilter) für zusätzliche Sicherheit und beugen der Bildung von Bakterien in der Anlage vor.

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Was tun bei Legionellenbefall?

Wird bei einer Trinkwasseruntersuchung der Grenzwert überschritten, sind mehrere Schritte notwendig:

1. Gefährdungsanalyse

Die Gefährdungsanalyse bewertet den hygienischen Zustand der Trinkwasserinstallation und zeigt mögliche Ursachen der Bakterienvermehrung auf. Dabei werden Zirkulationssysteme, Warmwasserspeicher, Leitungsabschnitte und selten genutzte Entnahmestellen überprüft.

2. Trinkwasserdesinfektion

Zur Entfernung der Erreger werden zwei Verfahren eingesetzt:

Thermische Desinfektion

Das Wasser wird auf mindestens 70 °C erhitzt und für drei Minuten an jeder Entnahmestelle gehalten.

Vorteile:Nachteile:
+ Keine Chemikalien nötig- Kein dauerhafter Schutz
+ Schnelle Wirkung- Hoher Energieverbrauch
 - Nicht für alle Rohrmaterialien geeignet

 

 

Chemische Desinfektion

Dabei wird dem Trinkwasser ein zugelassenes Desinfektionsmittel, z. B. Chlordioxid, zugesetzt. Dieses entfernt auch den Biofilm, in dem sich Bakterien oft festsetzen.

Vorteile:Nachteile:
+ Wirksame und nachhaltige Methode- Chemikalieneinsatz erforderlich
+ Depotwirkung gegen Wiederaufkeimung- Anpassung an Rohrwerkstoffe notwendig
+ Sicher bis zur Umsetzung aller Maßnahmen 

 

 

Gesetzliche Grundlagen zur Trinkwasserhygiene

Infektionsschutzgesetz (IfSG)
§ 37 (3): Wasserversorgungsanlagen unterliegen der Überwachung des Gesundheitsamtes.

Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
§ 1: Ziel ist der Schutz der menschlichen Gesundheit vor Erregern und Bakterien durch die Gewährleistung der Reinheit und Genusstauglichkeit von Trinkwasser.
Technischer Maßnahmenwert: 100 KBE/100 ml Legionella spec.

Anerkannte Regeln der Technik:

  • DVGW-Arbeitsblatt W 551
  • DIN 1988, DIN 4708, DIN 44532

Sauberes Trinkwasser dank regelmäßiger Untersuchung und Wartung

Legionellen sind gefährliche Bakterien, die bei fehlender Wartung einer Trinkwasserinstallation schnell zur Gefahr werden können. Durch regelmäßige Untersuchungen nach Trinkwasserverordnung, korrekt eingestellte Temperaturen und den Einsatz moderner Wasseraufbereitungssysteme schützen Sie sich und Ihre Familie zuverlässig vor diesen Erregern.