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Legionellen / Mikrobiologie

Was sind Legionellen?


Legionellen sind eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien in der Familie der Legionellaceae. Sie sind im Wasser lebende gramnegative, nicht sporenbildende Bakterien, die durch eine oder mehrere polare oder subpolare Flagellen (Geißeln) beweglich sind. [Wikipedia]
 
 

Was ist der Ursprung der Legionellen?


Im Jahr 1973 erkrankten nach einem Veteranentreffen in Philadelphia (USA), 221 Personen an Lungenendzündung, 34 davon starben. Ungefähr ein halbes Jahr danach gelang es, aus Leichenmaterial ein bis dahin unbekanntes Bakterium zu isolieren. Diese Bakterien wurden später Legionellen genannt.
 
 

Wie werden Legionellen übertragen?

 
Die Übertragung von Legionellen erfolgt durch das Einatmen feiner Wassertröpfchen, also z. B. beim Duschen. Das Erkrankungsrisiko steigt, je höher die Konzentration der Legionellen im Wasser ist, je feiner der Wassernebel ist und je länger man den Wassernebel einatmet.
 
Eine Gefahr besteht vor allem bei den folgenden Anwendungen:
  • Duschen
  • Perlatoren
  • Zähneputzen
  • Behandlungseinheiten
  • offene Kühltürme
  • Klimaanlagen
  • Whirlpools
 
 

Welche Personen sind für Legionellen besonders gefährdet?

 
Kinder und Jugendliche erkranken im Allgemeinen sehr selten. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen. Personen mit vorgeschädigter Lunge (z. B. Raucher) haben ein zusätzlich erhöhtes Risiko. Personen, die nach ärztlichem Urteil eine ausgeprägte Immunschwäche haben (z. B. AIDS-Patienten, Personen nach Transplantationen oder während bestimmter Krebstherapien) sind ganz besonders gefährdet. Solche Personen müssen ggf. in Absprache mit ihrem Arzt in eigener Verantwortung weitergehende Schutzmaßnahmen für sich ergreifen, da die Bewertungsmaßstäbe der Trinkwasserverordnung, wie auch bei sonstigen Lebensmitteln, nicht auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmt sind..
 
 

Welche Gefahr haben Legionellen heute?

 

Die Erkrankung äußert sich in Form einer Lungenentzündung mit teilweise schwerem Verlauf. Sie ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

  • 2007 wurden weltweit 571 Todesfälle durch die Legionärskrankheit gemeldet
  • Schätzungsweise 30.000 Infektionen pro Jahr in Deutschland
  • Legionellen gehören zu den zehn gefährlichsten Krankheitserregern in Deutschland
  • von ca. 2.500 Proben erwärmtes Trinkwasser in Banden Württemberg wurde in ca. 30 % Legionellen über dem zulässigen Grenzwert gefunden.
 
 

Ablauf der Legionellenuntersuchung 

 
 
 

Wie kann ich eine Legionellenkontamination in der Hausinstallation verhindern?

 
Legionellen vermehren sich im Wasser am effektivsten bei Temperaturen zwischen 35 und 45°C. In kaltem Wasser (unterhalb 25°C) erfolgt praktisch keine Vermehrung. Deshalb sollten Kaltwasserleitungen gut isoliert und regelmäßig betrieben werden, damit sich das Wasser möglichst wenig erwärmt. Bei Temperaturen von dauerhaft über 55°C sterben Legionellen ab. Je höher die Temperatur ist, umso schneller geschieht dies. Bei 55°C liegt die Absterbegeschwindigkeit im Bereich von Stunden, bei 60°C im Be-reich von Minuten und bei 70°C im Bereich von Sekunden. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik (DVGW W551) geben für Warmwassersysteme daher einen Normtemperaturbereich von 55-60°C an. Zu kurzfristigen Desinfektionszwecken werden 70°C (Achtung: Verbrühungsgefahr!) oder chemische Desinfektionsmittel (z.B. Chlordioxid) empfohlen. Welche Maßnahmen im Einzelfall in Frage kommen und erfolgversprechender sind, hängt von den lokalen Gegebenheiten ab und sollte in jedem Fall mit uns als Fachunternehmen für Trinkwasserhygiene abgeklärt werden.
 
Die wichtigsten Punkte:
  • Warmwasstertemperatur auf 60°C stellen
  • Eine durchgehende Zirkulation sicherstellen
  • Stagnation vermeiden. Spätestens nach 72 Stunden den kompletten Leitungsinhalt austauschen.

 

Spülplan

 
Die Vermeidung der Stagnation ist ein wesentlicher Punkt bei der Verhinderung einer Legionellenkontamination. In der VDI 6023, 5.2 ist die Bestimmungsgemäße Verwendung von Trinkwasser geregelt: " Bei Trinkwasser-Installationen oder Anlagenteilen, die länger als drei Tage nicht genutzt werden, ist bei Wiederinbetriebnahme durch Öffnen der Entnahmearmaturen der vollständige Trinkwasseraustausch der Anlage oder der Anlagenteile sicherzustellen. (Hinweis: mindestens ablaufen lassen bis zur Temperaturkonstanz)."
 
 

Was muss ich tun wenn ich Legionellen in der Trinkwasserinstallation habe?

 

Wurde bei einer Trinkwasseruntersuchung der Grenzwert der Legionellenkonzentration überschritten, ist bei einer hohen Kontamination (<1000 KBE/100 ml) eine Gefährdungsanalyse und bei einer sehr hohen Kontamination (>1000 KBE/100 ml) zusätzlich eine Trinkwasserdesinfektion erforderlich. Beides kann nicht von Ihrem Sanitär-Installateur durchgeführt werden. Bitte fragen Sie bei uns als Fachunternehmen für Trinkwasserhygiene an.
 
 

Gefährdungsanalyse

 
Eine Gefährdungsanalyse beinhaltet eine hygienisch-technische Überprüfung der Trinkwasserinstallation. Bei einer Legionellenkontamination zeigt die Gefährdungsanalyse die Ursache der Mängel auf. Sie ermöglicht eine Einschätzung, welche Bereiche der Trinkwasserinstallation und welche Verbraucher von der Kontamination betroffen sind. Eine Gefährdungsanalyse kann ohne eine Ortsbesichtigung durch einen fachkundigen Hygieniker und ohne Kenntnis über den technischen Aufbau einer Trinkwasserinstallation nicht erstellt werden. Bei der Gefährdungsanalyse ist im Hinblick auf die mögliche Gesundheitsgefährdung der Verbraucher neben der Höhe der Legionellen-Konzentration insbesondere zu berücksichtigen, ob es sich bei dem festgestellten Befund um eine systemische Kontamination der zentralen Teile der Warmwasserinstallation oder um eine dezentrale Kontamination einzelner Armaturen handelt. Die Gefährdungsbeurteilung enthält Empfehlungen für weitere Maßnahmen, die von Ihrem Installateur ausgeführt werden können. Dabei werden zuerst verfahrenstechnische Maßnahmen und betriebstechnische Maßnahmen empfohlen, zusätzlich können bautechnische Maßnahmen erforderlich sein.

Für die Gefährdungsanalyse sind die folgenden Unterlagen erforderlich:

  • Untersuchungsergebnisse der Trinkwasseruntersuchungen auf Legionellen
  • Informationen über die bisher durchgeführten Maßnahmen
  • Wasserverbrauch der einzelnen Wohnungen
  • wenn vorhanden, aktuelles Strangschema der Trinkwasserinstallation
Die Gefährdungsanalyse und die Umsetzung der Maßnahmen sind dem Gesundheitsamt vorzulegen. 
 
 

Trinkwasserdesinfekion

 
Bei Konzentrationen von >10.000 Legionellen/100 ml Wasser sind nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (DVGW W551, Tab.1) zusätzlich Maßnahmen zur direkten Gefahrenabwehr erforderlich (Desinfektion und Nutzungseinschränkung, z. B. Duschverbot). Die Trinkwasserdesinfektion kann als thermische Desinfektion oder als chemische Desinfektion durchgeführt werden.
 

Thermische Desinfektion

 
Bei der thermischen Desinfektion muss an jeder Entnahmestelle eine Temperatur von 70°C für mindesten 3 Minuten nachgewiesen werden, das entspricht einer Wassermenge von ca. 20 Litern. Eine Wohnung hat durchschnittlich 5 Warmwasser-Entnahmestellen. Pro Wohnung sind ca. 100 Liter Warmwasser vor zu halten. Bei schlecht isolierten Leitungen kann der Wärmeverlust eine größere Warmwassermenge erfordern. Um eine Unterbrechung der thermischen Desinfektion vorzubeugen ist eine zusätzliche mobile Heizung notwendig. Während der thermischen Desinfektion steht den Nutzern kein Wasser zur Verfügung, für einen Verbrühungsschutz ist zu sorgen. Nach der thermischen Desinfektion ist die Trinkwasserinstallation nicht vor einer Wiederaufkeimung geschützt. Die thermische Desinfektion ist bei verzinkten Stahlleitungen, Kunststoffrohren und Kunststoffverbundrohren nicht zulässig.
 
Vorteile: Nachteile:
  • sichere Abtötung bei Temperaturen >70°C
  • keine Chemikalien erforderlich
  • schnell 
  • Temperatur dauerhaft von 70°C nur schwer möglich
  • keine Depotwirkung
  • nicht bei allen Rohrwekstoffen möglich
  • Erwärmung des Kaltwassers
 

Chemische Desinfektion

 
Die mobile Desinfektionsanlage wird in der Kaltwassernachspeisung des Warmwasserspeichers installiert. Dem Wasser wird ein hochwirksames Desinfektionsmittel (BESTE-Chlordioxid 2K) mengenproportional zudosiert und an allen Entnahmestellen nachgewiesen. Die Entnahmestellen werden zur Sicherheit versiegelt. Nach einer Einwirkzeit über Nacht wird am darauf folgenden Tag das Desinfektionsmittel ausgespült und das Trinkwasser erneut auf Legionellen untersucht. Während der Desinfektion steht den Nutzern kein Warmwasser zur Verfügung. An Mischbatterien mit Warm- und Kaltwasser steht auch kein Kaltwasser zur Verfügung. Danach wird die Desinfektionsanlage auf einen von der Trinkwasserverordnung zugelassenen Wert von uns umgestellt. Um eine Wiederaufkeimung zu verhindern wird das Trinkwassernetz bis zum Abschluss der Maßnahmen kontinuierlich desinfiziert. Für die Desinfektion ist der Zugang zu allen Warmwasserentnahmestellen unbedingt erforderlich.
 
Vorteile: Nachteile:
  • Erfolgreichste Desinfektion
  • sichere Desinfektion bis zur Umsetzung der Gefährdungsanalyse
  • Entfernung des Biofilms
  • Depotwirkung
  • schnell 
  • Anpassung des Desinfektionsmittels an den Werkstoff
  • Verwendung von Chemikalien
 
 

Gesetzesgrundlage


Infektionsschutzgesetz (IfSG)
Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen § 37, (3) „Wasserversorgungsanlagen […] unterliegen […] der Überwachung des Gesundheitsamt.“

Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
§1 „Zweck der Verordnung ist es, die menschliche Gesundheit vor nachteiligen Einflüssen, die sich aus den Verunreinigungen von Wasser ergeben, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist, durch Gewährleistung seiner Genusstauglichkeit und Reinheit nach Maßgabe der folgenden Vorschriften zu schützen.“

§ 3 Begriffsbestimmungen: Wasserversorgungsanlagen sind: 10. gewerbliche Tätigkeit.

Anhang Teil II: Legionella spec. Technischer Maßnahmenwert 100/100 ml
 
Allgemein anerkannte Regeln der Technik
DVGW Arbeitsblatt W 551
DIN 1988, DIN 4708, DIN 44532